Dr. Achim Heinze


Go to content

Wasted Youth - Buch



"Wasted Youth: Wie die Eighties wirklich waren"

Autor: Rock and Roll Junkie


Rock and Roll-Roman, 250 Seiten, deutschsprachig*, selbstironisch, unpolitisch, zeitgeistig,... , erscheint am 25. August 2017.

Schwerpunkt des Buches sind die Jugendkultur der 80er Jahre und die typischen Zeiterscheinungen dieses Jahrzehnts, begleitet vom Soundtrack dieser Dekade.

Wasted Youth schildert auf humorvolle Weise den Prozess des Erwachsenwerdens von Rock and Roll Junkie in verschiedenen zeittypischen Situationen: der ersten beinahe gescheiterte Bandauftritt, peinliche Kraftproben in der Mucki-Bude, Disco-Touren mit dem Zweirad, ein tödlicher Motorradunfall, spurlos verschwundene Personen, die große Freiheit auf der Abschlussfahrt - kurzum: eine ewig währende Eighties-Party, die auch lange vor Facebook komplett aus dem Ruder läuft. Eigentlich könnte alles immer so weiter gehen. Bis das Leben von Junkie beim Monsters of Rock 1989 eine verhängnisvolle Wende nimmt. Als spontaner Gelegenheits-Drogenkurier eingesetzt, schnappt die Falle zu.

Nach eineinhalb Jahren Gefängnisaufenthalt und der Zeitenwende, welche das Umschalten der Jahreszahl von 89 auf 90 bewirkt, muss sich er sich in einer neuen Weltordnung zurecht finden: allerorts herrscht Aufbruchsstimmung, der eiserne Vorhang ist durchgerostet, eine völlig neue Jugendkultur ist entstanden, die LP muss der CD weichen und Grunge bzw. Crossover heißen die neuen Trends.
Nichts ist mehr, wie es vorher war - statt ewigem Exzess folgt nun die ernsthafte Ernüchterung: die langjährige Freundin zieht weg, einer nach dem anderen verabschiedet sich aus der Clique und die verheißungsvolle Rockband löst sich ins Nichts auf. Kurzum: das Erwachsene gewinnt immer mehr die Oberhand im Leben von Junkie und seiner verlorenen Lebenswelt.

Bezüge zu Lebensgefühl und Soundtrack der Eighties ziehen sich als roter Faden durch das gesamte Buch. Die Kapitel sind deshalb nach bekannten Rocksongs dieser Kulturepoche benannt.
Zielgruppe sind sowohl Leser, die dieses Jahrzehnt selbst erlebt haben, als auch jüngere Jahrgänge, die dem allgegenwärtigen Phänomen "Eighties" auf die Spur kommen wollen.
Abgerundet wird das Buch mit Kommentaren zum Zeitgeist der Achtziger und wertvollen Musiktipps.




>>> zur Autorenseite/Verlag



Auszug aus dem Buch "Wasted Youth"/Leseprobe:


Live, mad and dangerous

Der Countdown läuft. Nur ein paar letzte Adjustments noch, dann ist es soweit, dass unsere lang ersehnte Stage-time kommen kann. Die Gitarre noch einmal durchstimmen, hektisch wird nach meinem Bottleneck gesucht, einen letzten kräftigen Sprüher aus der Haarspray-Dose, das Wasted Youth-Shirt übergestülpt und die heute Abend offenbar besonders enge Stretchhose mit einem beherzten Sprung nochmal ganz hochgezogen; Joe stopft sich – ganz in Kiss-Manier – heimlich ein zusammengerolltes Band-Shirt vorne in seine enge Hose. „Wozu soll denn das gut sein?“, frage ich ihn direkt. „Tja, damit es nach mehr aussieht, alter Trick zwecks Groupies und so!“, gibt er zurück. Unsere Zielgruppe sind schließlich nicht bloß irgendwelche Macho-Rocker, sondern vor allem ihre Freundinnen, die sie hoffentlich mitbringen; extra für uns, so glauben wir. Schließlich sind wir jetzt Typen, die fast besser geschminkt sind als ihre Tussies.

Punkt 22:00 Uhr aktiviert DJ Maik, der mit „Turn me loose“ und „Black Betty“ eher die Prolo-Rock-Ecke bedient, den Trockeneisnebel für das Live-Intro. Dabei übertreibt er es ein wenig – man sieht von uns den ganzen ersten Song lang nämlich rein gar nichts.
Beim zweiten Stück bricht unserem Schlagzeuger Stevie gleich ein Drumstick ab – leider befindet sich der Ersatz irgendwo in einer Tasche und diese wiederum ist im Auto auf dem Parkplatz vor dem Lokal geblieben. So ein Anfängerfehler! Notdürftig bringen wir Nighttrain noch zu Ende – leider ohne Schlusssolo, weil unser Drummer einfach abkürzt und zum Chaosschluss übergeht. Wieder einmal kann er es nicht lassen und setzt jetzt schon sein holpriges Doppelbassgeschepper ein, um über den fehlenden Stick hinwegzutäuschen. Während er direkt nach Songende zur Irritation des Publikums, das uns nun, als sich der Kunstnebel langsam lichtet, zum ersten Mal in voller Lebensgröße sehen kann, in Richtung Auto davonläuft, nicke ich Joe verschwörerisch zu: Flugs entfernen wir mit einem im Proberaum des Öfteren einstudierten Handgriff die zweite Basedrum. „Schau, die bauen gleich wieder ab!“ bzw. „sie hören eh schon wieder auf!“ sind die Reaktionen des Publikums, doch unser plötzlich zu absoluter Schüchternheit verstummter Sänger sagt keinen Piepton, um die Sache aufzuklären. Als Stevie endlich zurück ist, bemerkt dieser in seiner Hektik gar nicht, dass bei seinem Drumset etwas fehlt.

Als Nächstes kommt die erste eigene Nummer: Love, trust and peace. Hierzu haben wir uns ein kleines Gimmick überlegt: Bei den ersten drei Schlägen sollten eigentlich alle vier von uns gleichzeitig mit gespreizten Beinen in die Luft springen, doch Joe bleibt wie angewurzelt stehen. „Heute klappt ja gar nichts“, denke ich und verpasse ebenfalls den nächsten Einsatz.
Doch die Misere geht weiter: Eine sündteure endfünfziger Humbucker-Les Paul, welche mir mein Gitarrenlehrer für diesen Auftritt als Ersatzgitarre geliehen hat, klappt nach vorne vom Ständer als unser Bassist aufs Gitarrenkabel steigt. Mit folgendem Ergebnis: Der Hals des teuren Instrumentes bekommt einen am geplatzten Lack deutlich sichtbaren Riss, ohne dass ich überhaupt einen Ton darauf gespielt hätte. Sein Besitzer, der im Publikum diese Entweihung tatenlos mitverfolgen muss, wird bleich wie Ozzy beim Ameisensnorten am Pool.
Unser Sänger Dave ist sich seiner Sache plötzlich gar nicht mehr so sicher und lässt deshalb alle vorher genauestens überlegten Ansagen weg. Im Bandraum ist er dauernd herumgesprungen und hat die skurrilsten Verrenkungen gemacht – doch hier auf der Bühne steht er jetzt stocksteif herum, fast wie in Stein gemeißelt und versucht, sich hinter dem dünnen Mikroständer zu verstecken. Auch das Publikum steht uns unbewegt gegenüber. Ich erblicke meinen Cousin, wie er abwechselnd am Mischpult schon ziemlich chaotisierend die Regler hin- und herschiebt bzw. uns sorgenvoll mit einem „Tut-endlich-was-Blick“ anschaut. Was soll ich denn machen? Sicherheitshalber lassen wir den nächsten Song weg, es wäre eine Ballade gewesen, diese käme bei der momentanen Nullstimmung viel zu früh. Sonst rennen gleich die ersten aufs Klo. Also einen Song überspringen – das hat allerdings unser Drummer hinter uns wieder einmal nicht mitbekommen. Er zählt den falschen Song ein, natürlich viel zu langsam, worauf wir wieder abbrechen müssen – der Worst Case.

Um das Publikum wieder zu versöhnen, ziehen wir gleich Whisky in the jar vor, immer eine todsichere Nummer. Doch schon beim Vorspiel reißt bei meiner Gitarre eine Saite: ausgerechnet die G-Saite, auf der das Riff gespielt wird. Jetzt heißt es umdenken, was in der Hektik und im Scheinwerferlicht etwas schwerer fällt. Gleich beim nächsten Versuch wird die Melodie versemmelt. Das fällt sogar den Nichtmusikern auf. Mist! Beim Solo stehe ich dann so neben mir, dass ich mich selbst wie von außerhalb spielen höre und merke, wie meine Finger zu improvisieren beginnen. Wohin soll denn das jetzt führen? Wird dieser allererste richtige Auftritt tatsächlich gleich unser Winterland? Oder Lynotts Marbella? The Last Waltz beim ersten Gig? Mit äußerster Mühe und Not schaffe ich es wieder zurück zum Refrain. Bei der dritten Strophe hat mein Instrument Pause, die spielen wir ganz zurückgezogen. Währenddessen nippe ich immer lässig an einer Bierflasche. Mit meinen verschwitzten Händen jedoch entgleitet mir diese und fällt krachend zu Boden. Der Wirt zuckt zusammen, schaut mich scharf an und lässt für den Rest unseres Auftritts seinen strengen Blick nicht mehr von mir.
So halbwegs haben wir uns allmählich wieder gefangen, als plötzlich gegen Ende des Konzertes ein krachendes Geräusch hinter uns zu vernehmen ist. Ich drehe mich erstaunt um: Unser Drummer ist nicht mehr da! Samt Stuhl muss Stevie rückwärts vom Podest gefallen sein. Er rappelt sich jedoch unter johlenden Anfeuerungsrufen des Publikums schnell wieder auf. Endlich: Jetzt läuft es runder; wir scheinen doch noch gewonnen zu haben! Die Stimmung ist bald so gelöst, dass unser Bassist in seiner Euphorie das macht, was er sonst nur im Dunkel unseres Proberaums wagt...

ZENSIERT!!!

...Obwohl er musikalisch eigentlich der Schwächste von uns ist, ergattert er mit dieser Nummer den mit Abstand größten Applaus des langsam, aber sicher doch noch gelingenden Abends.
Nach der dritten Zugabe kicken wir schließlich das restliche Drumset vom Podest, werfen die Bühnenaufbauten um und verlassen selbige, wobei wir laut rückkoppelnde Verstärker zurücklassen. Das hätten Motörhead auch nicht besser gekonnt!
Auf dem Weg von der Bühne in den Backstagebereich – wenn man den kalten und feuchten mit leeren Getränkekästen vollgestellten Abstellraum so nennen will – werde ich unsanft an der Schulter gepackt: „Die Bierflasche zahlst du mir, Bürscherl!“, herrscht mich der immer noch erboste Wirt an. Erst als er spät am Abend Kassensturz macht, hellt sich seine Miene wieder auf: „Ihr könnt´z nächsten Monat wieder bei uns spuin“, macht er ein überraschendes Angebot. „Nein danke! Das haben wir jetzt nicht mehr nötig“, erklärt unser Sänger in leicht verblendeter Anfangsarroganz.


Auszug aus: Rock and Roll Junkie: Wasted Youth - Wie die Eighties wirklich waren. Rediroma Verlag. Remscheid 2017, S. 42 - 46


*Die Betonung der Deutschsprachigkeit klingt zugegebenermaßen etwas merkwürdig - ist dennoch als Info notwendig, da auf der CD englisch gesungen wird.





"Fxxxin Eighties man: best shit ever. Then that Cobain Pussy had to come around and ruin it all. I hate the fxxxin Nineties!" Marisa Tomei, Mickey Rourke: The Wrestler

"I´m tough, ambitious and I know exactly what I want. If that makes me a bitch, okay." Madonna

“Apparently, during the ‘80s, nobody really dressed like Madonna except for Madonna.”
Gwen Hayes, Totally Tubular


“If you think the ’80s were dumber than the ’70s, either you weren’t there or you weren’t paying attention.”
James Lileks, Interior Desecrations: Hideous Homes from the Horrible '70s


"Being shoved into the top 40 scene was an unusual experience. It was great I'd become accessible to a huge audience, but not terribly fulfilling. It seemed so easy."
David Bowie on hitting the Top 40, 1987


“I mean, my age is just a number. So what if you were born in the era when they still used rotary phones and cassette tapes? I think it’s cute.”
T.S. Krupa, Safe & Sound


"Born in the age of take waht you can get. Mommy and daddy was a TV-Set: You´re an Eighties Babe!" Mike Monroe: Nothing´s alright

"I mean, the heavy metal from the Seventies sounds nothing like the stuff from the Eighties, and that sounds nothing like the stuff from the Nineties." Ozzy Osbourne

"
The Nineties? They just never happened. We´re Eighties Youth Kidz!" Rock and Roll Junkie: Eighties Youth Kidz

"We are The Children of the Eighties, We are not the first "Lost Generation" - not today's Lost Generation; in fact, we think we know just where we stand - or are discovering it as we speak." Ariell, inspired by the Little Mermaid


Back to content | Back to main menu